Der Steinadler

Der Naturpark Nagelfluhkette hat eine Größe von ca. 400 km². Wenn man davon besiedelte oder im Tal gelegene Flächen abzieht, bleibt nicht allzu viel alpiner Lebensraum übrig. Dieses restliche Gebiet ist Lebensraum vieler Alpenbewohner, unter anderem des Steinadlers. In unserem Naturpark leben und brüten zurzeit drei Adlerpaare. Die durchschnittliche Größe eines Revieres beträgt zwischen ca. 35 km² bis zu ca. 130 km². Je nach Gegebenheit der Fläche, zum Beispiel Nahrungsangebot, Brutmöglichkeiten oder Flugbedingungen, können die Reviere auch kleiner ausfallen. Da diese Tiere einen recht hohen Anspruch an ihren Lebensraum stellen, wird man sie außerhalb der Gebirge kaum finden.

In unseren durch Alp- und Forstwirtschaft geschaffenen halboffenen Lebensräumen fühlen sich diese Tiere besonders wohl. Sämtliche Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Brüten kann man bei uns finden. Felsdurchsetztes Gelände mit steilen Hangkanten für eine optimale Thermik und den Bau von Horsten, offene Alpwiesen für die Nahrungssuche, ein passender Bestand an Beutetieren und noch einiges mehr. Zur Nahrung zählen unter anderem Birkhühner und Gamskitze. Die Größe der Beute ist vom Geschlecht des jagenden Tieres abhängig. Die kleineren Männchen, ca. 3 – 5 Kilogramm, können im Gegensatz zu den Weibchen, ca. 4 – 7 Kilogramm, nicht allzu große Tiere erbeuten. Anhand der Tatsache, dass sich die Horste meist unterhalb der Jagdreviere befinden, können beide Tiere jedoch Beute mit einem größeren Gewicht als ihr eigenes jagen.

Die Jagd und das Nahrungsangebot werden im Frühling besonders wichtig. Zwischen Mitte März und Mitte April legen die Weibchen bis zu 3 Eier in ihren Horst. Von diesem Moment an beginnt die störanfälligste Zeit des Jahres. Da das Weibchen ca. 85% der Brutzeit übernimmt und das Männchen in dieser Zeit das Revier verteidigt und auf Beutesuche geht, ist es enorm wichtig, den Horsten nicht zu nahe zu kommen. Im Falle, dass das Männchen durch ständiges eindringen in das Revier nicht mehr zum Brüten kommt, kann das Weibchen dies nicht kompensieren und muss den Horst verlassen. Nach nur 15 Minuten ohne wärmendes Alttier können die Eier auskühlen und die Brut war erfolglos.

Daher, wenn sie einen Adler im sogenannten „Girlandenflug“, ein stetes aufsteigen und schnelles in die Tiefe stürzen, beobachten können, wird er entweder sie oder etwas Anderes als potenzielle Gefahr einschätzen und sein Revier verteidigen. Besonders wichtig ist dieses verhalten für Gleitschirmflieger. Falls sie dies beobachten, weichen sie bitte sofort aus und umfliegen sie den Bereich weiträumig. Informationen hierzu können sie beim Gleitschirmverband anfordern. Wenn sie als Fußgänger einen Adler im Horst landen sehen, versuchen sie nicht für das perfekte Foto nahe genug heran zu kommen, da dies zum sofortigen abbrechen der Brut führen würde. Beobachten sie dieses Schauspiel einfach aus der Ferne und genießen sie die majestätisch anmutenden Bewegungen dieser „Meister der Lüfte“.

verfasst von: Florian Heinl - Ranger