Alpine Rasen

Oberhalb der Baum- und Krummholzzone liegt das Reich der alpinen Rasen. Sie kommen im Allgäu in unterschiedlichen Ausprägungen vor, die von den jeweiligen Standortbedingungen vor Ort abhängen. So unterscheidet man beispielsweise Rostseggenrasen, Blaugras-Horstseggenrasen und Borstgrasrasen.

Ihr jeweiliges Vorkommen hängt unter anderem vom Chemismus des Gesteins (Kalk- oder Silikatgestein), der Geländeform und der Art der menschlichen Bewirtschaftung (Beweidung, Mahd, Übernutzung) ab. Die verschiedenen Rasengesellschaften werden dabei nach den vorherrschenden Grasarten benannt. Sie beherbergen eine Vielzahl unserer bekanntesten Alpenblumen. Im Allgäu werden die alpinen Rasen in weiten Teilen beweidet, aber in geringer Intensität. Auf Silikatgestein und bei oberflächiger Versauerung, wenn der Kalk aus der Humusschicht heraus gewaschen wurde, wächst im Allgäu der Borstgrasrasen. In der oft recht eintönigen Pflanzengesellschaft kommen nur wenige auffallende Blumen wie die Bärtige Glockenblume (Campanula barbata), einige Enzianarten oder die als Heilpflanze geschätzte Arnika (Arnica montana) vor.

Alpwirtschaftlich ist der Borstgrasrasen weit weniger beliebt, als die ertragreicheren Fettwiesen und Milchkrautweiden. Das liegt am Namen gebenden Borstgras (Nardus stricta). Es wird vom Vieh wegen seiner harten, borstigen Blätter nur im jungen Zustand gefressen. So finden sich auf Borstgraswiesen oft zahlreiche, in der Sonne gebleichte Büschel der auch Bürstling genannten Pflanze. Sie wurden vom Vieh herausgerissen, dann aber verschmäht.

In den höchsten Lagen  gedeiht der Blaugras-Horstseggenrasen, der zu den buntesten Blumenwiesen im Allgäu zählt. Er findet sich an sonnigen, kalkreichen, oft südexponierten Gebirgshängen, die frühzeitig schneefrei werden. Die im Erscheinungsbild ähnlichen Rostseggenrasen kommen hingegen eher an den feuchteren Nordhängen vor. Da das Blaugras (Sesleria caerulea) nur lockere Horste bildet, bleibt im lückigen Rasen viel Platz für eine Vielzahl farbenprächtiger Blumen. Hier wachsen Alpen-Astern (Aster alpinus), Enziane und mehrere Läusekrautarten. Reich an Blumen sind auch die Rostseggenrasen mit ihren Alpen-Küchenschellen (Pulsatilla alpina), Berghähnlein (Anemone narcissiflora) Läusekräutern und der Kugelorchis (Traustenera globosa).