Die Alpwirtschaft prägt die höheren Lagen

Die Alpwirtschaft spielt im Allgäu eine herausragende Rolle. Hierbei wird vielfach noch die Stufenwirtschaft praktiziert, bei der das Vieh ab Mitte Mai zunächst auf die in mittleren Höhen gelegenen Vorsäß-Alpen getrieben wird. Im Hochsommer erfolgt dann der weitere Auftrieb auf die Hochalpen. Im September wird die Rückkehr des Viehs ins Tal mit dem Alpabtrieb (Viehscheid) gefeiert.

Die Alpflächen im Allgäu finden sich zwischen 800 und 1.800 Metern Höhe und sind für die Artenvielfalt von großer Bedeutung. Es handelt sich um Flächen, die ursprünglich größtenteils bewaldet waren und bereits vor langer Zeit von unseren Vorfahren gerodet wurden. Sie werden meist extensiv bewirtschaftet, das heißt, es werden keine Maschinen und kein zusätzlicher Dünger verwendet. Auch die Anzahl der weidenden Rinder ist klar begrenzt. Die Älpler kennen ihre Alpflächen sehr genau und achten darauf, dass sie optimale Lebensbedingungen für das Alpvieh bieten. Dazu gehören neben einer guten Futterqualität mit einer Vielzahl von Gräsern und Kräutern auch genügend Unterstandsmöglichkeiten. Oft finden sich deshalb auf den Alpweiden mächtige, einzeln stehende Bergahorne (Acer pseudoplatanus), Bergulmen (Ulmus glabra), Fichten (Picea abies) oder Weißtannen (Abies alba), die mit ihren weit ausladenden Kronen das Vieh vor Regen und Schnee schützen.

Eine gut bewirtschaftete Alpe weist im Vergleich zum Flachland einen viel höheren Strukturreichtum auf – und erfüllt somit eine wichtige Grundlage für eine hohe Artenvielfalt. Eine Intensivierung der Alpwirtschaft mit einem damit verbundenen, stärkeren Maschineneinsatz oder das Einbringen künstlichen Mineraldüngers würde die Naturvielfalt im Allgäu ebenso gefährden, wie das Einstellen der Alpwirtschaft und die damit einhergehende Verbuschung der Flächen.