Inseln der Artenvielfalt

Moore und Feuchtwiesen finden sich im Naturpark in allen Höhenlagen. Es kommen zahlreiche unterschiedliche Moortypen vor, wie zum Beispiel Hoch-, Übergangs- und Deckenmoore im Häderichgebiet sowie im Bereich des Piesenkopfes oder Flachmoore zwischen Balderschwang und Hittisau sowie am Großen Alpsee. Die verschiedenen Moortypen zeichnen sich durch eine unterschiedliche Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt aus - und tragen so viel zur Artenvielfalt im Naturpark bei.

Moore bieten Lebensräume für Spezialisten

Am Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren blieben im Gebiet des Naturparks zahlreiche Seen, Weiher und Tümpel zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele dieser Gewässer durch Ablagerungen von totem organischem Material immer flacher. Die Gewässer verlandeten, so genannte Flach- oder Niedermoore entstanden. Im regen- und schneereichen Naturparkgebiet entwickelten sich viele dieser Flachmoore im Laufe der Jahrtausende zu Hochmooren mit meterdicken Torfschichten. Wegen ihrer starken Abhängigkeit von Niederschlägen werden Hochmoore oft auch als Regenmoore bezeichnet.

 

Flachmoore

In Flachmooren ist die Torfschicht nur wenige Zentimeter dick und kann von Pflanzenwurzeln problemlos durchdrungen werden. Flachmoore werden vom Grundwasser gespeist und sind über den Boden ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Davon profitiert die Pflanzenwelt, die in Flachmooren oft äußerst vielfältig ist. Viele Flachmoore werden im Naturpark seit Jahrhunderten als Streuwiesen genutzt. Vor allem das Blaue Pfeifengras (Molinia caerulea), die Charakterart der Streuwiesen, liefert die Einstreu für den Stall. Da Streuwiesen nicht gedüngt und nur einmal im Jahr im Spätherbst gemäht werden, stehen sie vom Frühjahr bis in den Herbst hinein in bunter Blüte. Sie sind äußerst artenreich und beherbergen zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere. Heute sind diese einzigartigen Lebensräume nicht nur durch Entwässerung, Düngung oder zu frühe Mahd bedroht. Viele Streuwiesen verschwinden auch, weil sie überhaupt nicht mehr genutzt werden. Streuwiesen, die nicht jährlich gemäht werden, wachsen innerhalb kürzester Zeit zu und verbuschen. Da die Moorwiesen sehr trittempfindlich sind, sollten sie außerhalb der markierten Wege nicht betreten werden.

 

Hochmoore

Hochmoore mit ihren meterdicken Torfschichten haben keine Verbindung mehr zum Grundwasser und gehören damit zu den extremsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Sie zeichnen sich durch einen geringen Nährstoffgehalt und eine starke Abhängigkeit von Niederschlägen aus. Nur wenige, speziell angepasste Pflanzenarten wie Torfmoose (Sphagnum sp.), Wollgräser und verschiedene Zwergsträucher kommen mit diesen schwierigen Lebensbedingungen zurecht. Sie alle sind auf Flugstaub als Nährstofflieferant und auf Niederschläge als Wasserspender angewiesen. Fleischfressende Pflanzen wie der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) verbessern ihre Nährstoffversorgung im Hochmoor zudem, indem sie Insekten fangen. Auch bei den Tieren überwiegen Spezialisten wie der Hochmoor-Gelbling (Colias palaeano) oder die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), eine seltene Libelle. Das Hochmoor wird von einer dicken Schicht aus Torf gebildet, die nur von einer dünnen, lebenden Pflanzendecke überzogen ist. In den vergangenen Jahrhunderten wurden viele Hochmoore entwässert, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen und Torf abzubauen. Heute versucht man, solche geschädigten Moore durch Wiedervernässung zu renaturieren. Da die Torfschicht eines Moores jährlich nur etwa einen Millimeter wächst, handelt es sich dabei um einen sehr langwierigen Prozess: Bis sich ein Hochmoor mit einer meterdicken Torfschicht bildet, vergehen Jahrtausende!